Auf www.ne-na.de: Deutschlands Manager beherrschen die Kunst des Kundenvergraulens
"Erst kommen die Kosten, dann die Finanzen, die Organisation und die Mitarbeiter. Und am Ende tauchen auch mal die Kunden in den Überlegungen der Manager auf. Ist dies ein Klischee oder Zerrbild? Nach Ansicht von Anne M. Schüller werden Kundenversteher verzweifelt gesucht, weil die Unternehmen es an Menschlichkeit fehlen lassen. ,,Effizienzsteigerung, Prozessorientierung, Kostensparen. Manager, die an Zahlen kleben. Führungskräfte, die mit sich selbst beschäftigt sind. Mitarbeiter, die im Panzer von Standards und Normen feststecken. Wen wundert's, wenn Kunden panisch die Flucht ergreifen. Woran es Unternehmen am meisten mangelt, ist Menschlichkeit. Denn ihr Zweck ist heute: Menschen glücklich machen", schreibt Schüller, die als Management-Consultant arbeitet und als Expertin für Loyalitätsmarketing gilt, in einem Essay für ChangeX http://www.changex.de. Der Fetisch dieser Führungskräfte heißt Quartalsbericht, kurzfristige Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen beherrschen die Denkmuster: ,,Seelenlose Taschenrechner haben das Sagen. Und der Kunde spielt nur eine Nebenrolle."
Schüller stellt nicht einfach ein paar wagemutige Thesen auf, die ihr gut ins Konzept passen. Dass sich Manager, die neu in eine Unternehmen kommen, nur sehr rudimentär mit ihren Kunden beschäftigen, belegt eine 2007 online durchgeführte Studie des IFAM-Instituts http://www.ifam.de in Düsseldorf. Es sei erstaunlich, so das Fazit der Untersuchung, wie selten den Führungskräften die Kundenwertorientierung in den Sinn komme. Dass der Kunde der ,,wahre Boss" ist, scheint als Botschaft noch nicht angekommen zu sein.
Die Autorin verweist auf internationale Effizienzstudien von Proudfoot http://www.proudfootconsulting.com, wonach Vertriebsmitarbeiter im Schnitt nur 20 Prozent ihrer Arbeitszeit im aktiven Verkauf verbringen. 80 Prozent der Arbeitszeit gehen für Administration und Verwaltung drauf. ,,Das Marketing hat, um seine Existenz zu rechtfertigen, vor allem Controlling zu betreiben und Return on Investment zu beweisen. Die Zahlenhörigkeit in vielen Führungsgremien ist geradezu absurd", so Schüller. Dabei sind es letztlich ausschließlich die Kunden, die das Überleben eines Unternehmens sichern. ,,Wenn der Kunde pfeift, müssen Sie tanzen", bringt es der schwedische Wirtschaftsphilosoph Kjell A. Nordström auf den Punkt.
Warum aber sollten Manager menschlicher sein? Die Antwort ist ganz einfach: Damit sie erfolgreicher sind. Mit überfrachteten PowerPoints oder noch so tollen Excel-Sheets ist kein Kunde zu gewinnen. ,,Verkaufen ist, genau wie Führen, nichts anderes als Emotionsmanagement", sagt Schüller, deren Buch ,,Kundennähe in der Chefetage. Wie Sie Mitarbeiter kundenfokussiert führen" im Orell Füssli Verlag erscheint. Kunden kaufen nämlich keine Produkte, sondern ,,vielmehr ein besseres, angenehmeres, bequemeres, sicheres Leben sowie Dematerialisierung wie Flexibilität, Zeit, Glück, Ruhm, Liebe und beruflichen wie privaten Erfolg". |
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